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Bei den Piemonteser

Die Entscheidung war einerseits eine Freiwillige. Und doch resultierte sie aus der damaligen Lebensgrundlage, die sich von einem Moment auf den anderen änderte. Es war nämlich so, dass der Vater der Familie in ein berufliches Unglück getrieben wurde. Etwas, das sich in den folgenden Jahren bald jedoch als Glück herausstellen sollte.

Als anständiger und tüchtiger Mann stand er eines Tages vor dem beruflichen Scherbenhaufen und diese Situation entzog ihm die sichere Existenz, auf die er seine weiteren Lebensjahre hätte aufbauen können. Die Firma, für die er jahrelang tätig gewesen war, sein Herzblut und seine Intelligenz nahezu ganz darin investiert hatte, schickte ihm hemmungslos die Kündigung ins Haus. Er, der doch täglich sein ganzes Engagement in seine Arbeit rein gegeben hatte.

Dies war offensichtlich ein Schock für alle Familienmitglieder. Alles wackelte am bisher fest geglaubten sicheren Fundament und im reifen Alter mussten sich meine Eltern alsbald in eine neue Situation einleben, die Flexibilität im Vorgehen, risikofreudiges Entscheiden und eine Loyalität im Zueinanderstehen erforderte.

Doch da hinten im stillen Gemach der geheimen Wünsche hatten sich Mutter und Vater etwas Kostbares für den zweiten Lebensabschnitt aufgespart. Beiden fehlte es nicht an Zuversicht, Imagination und konkreter Entschlusskraft für die Realisierung ihrer möglichen Zukunftspracht.

So überlegten sie, diskutierten miteinander, hielten sich an den Händen fest und versprachen sich ein neues Lebensfest. Beide zogen am selben Strick und sie versuchten mit Geschick, ihr Nährboden im nahen Süden neu zu beackern.

Es vergingen wenige Jahre und aus ein paar übrig gebliebenen Fassaden bauten sie ein Juwel in der malerischen Gegend des Piemonts. Sachte und mit Vorsicht gingen sie den Weg der Zuversicht, nicht ganz ohne Zweifel, Sorge und noch in vielen Dingen sich ungewiss. Doch beide hatten sie ein großes Ziel und schafften ein wundervolles, neues Daheim im ganz persönlichen Stil.

Inmitten Haselnüsse und Piemonteser Weinreben befindet sich ihr liebliches Zuhause, das für Gäste und Menschen allerart erreichbar ist.

Eines ist gewiss, ihre Gastfreundschaft ist von unschätzbarem Wert. Großzügig kommen sie dem Gast bei seiner Ankunft mit einem Lächeln entgegen, heißen ihn herzlich willkommen und schenken ihm gleich den Piemonteser Segen. Kurz darauf gibt es für Durstige und Hungrige eine regionale Leckerei, und so fühlt man sich schnell ganz sorgenfrei.

Die Dame des Hauses spielt die überlebensgroße Hilfe im Hintergrund. Sie umsorgt ihre Gäste mit einer herzhaften Kunst. Geht dem Herrn des Hauses gern zur Hand, hört sich die Bedürfnisse ihrer Gäste an und nimmt sich denen emsig an. Sie ist eine selbstlose Persönlichkeit, flink und geübt in ihrem Können, mit fröhlichem Gemüt und einer zuvorkommenden Art. Ausbalanciert in ihrem Sein und lässt niemanden auch nur einen Moment allein.

Der Chef der Küche ist eine Koryphäe auf seinem Terrain. Phantasievoll erschafft er Gaumenspäße. Überrascht seine Gäste immer wieder aufs Neue mit seinen kulinarischen Raffinessen. Seine Kreationen begleitet von charmanten Späßen. Sein Wissen über die Region Piemont ist von großem Reichtum, denn er liebt das Brauchtum und die Lebensweise seiner neu gewonnen Artgenossen. Seine Speisen sind ein wahres Gedicht, gegessen wird mit den Gästen zusammen, von Angesicht zu Angesicht. Mit Sicht auf die Hügellandschaft des Piemonts, sanft sich in die Ferne erstreckend, neue Lust, Genuss und Freude erweckend.

Das Piemont ist nach Sizilien die flächenmäßig größte Region Italiens. Der Name übersetzt bedeutet „am Fuß der Berge“ (ad pedem montium). Es ist ein Schlaraffenland für genussfreudige Menschen und bietet kulinarische Höhenflüge inmitten pittoresker Umgebung. Die Weintrauben gedeihen in voller Pracht und der Trüffel als einmalige Attraktion, ist in der Gegend wohl gesegnet.

Das Zuhause meiner Eltern befindet sich unweit des Städtchens Alba, bekannt für den größten Trüffelmarkt weltweit. Im Herbst verfärben sich die Blätter der Reben in bunte Farben. Der Wein als treuer Liebhaber der idyllischen Gegend, kommt schnell auf den Tisch und begleitet die regionalen Speisen meisterlich. Barolo, Barbaresco, Barbera und Moscato enthüllen den Geist der edlen Reben und die Geschmacksknospen zeigen sich schnell erquickt ergeben.

In den kleinen Ortschaften gibt es zahlreiche Märkte, mit frischem Gemüse, Obst und weiteren deliziösen Köstlichkeiten.

Verspürt man Lust auf Mediterranes und bisschen Meer, im Nu erreicht man die ligurische Küste. Italianità kommt dort im Sommergewand daher, verzaubert den Besucher mit seiner mondänen Atmosphäre. Wenige Autostunden gilt es auf sich zu nehmen, und sodann erwartet einen die Faszination der benachbarten Strände.

So gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Region und deren Umgebung zu entdecken. Ein abwechslungsreiches Angebot für diverse Geschmäcker. Nicht nur die freudigen Genießer des italienischen Essens kommen auf ihre Kost, sondern auch Fahrradfahrer, Wanderer und an Kunst interessierte Menschen.

Ohne Speisekarte entlockt so manches Piemonteser Restaurant seine willigen Gäste in unbekannte kulinarische Paläste. Ganz nach dem Motto“Lass mich dir ein Paradies auf dem Tisch zaubern“.

 

 

 

 

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