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Die Natur als neue Religion?

persönliche Stellungnahme zum Text „Mythos von der heilen Natur“ (von Hugo Stamm, Sektenblog, Tagesanzeiger, 22.09.2014)

„Die Natur zum Religionsersatz hochzustilisieren entspricht einer intellektuellen und philosophischer Ignoranz“ sagt Hugo Stamm auf seinem Sektenblog. „Es gibt nichts Grausameres und Härteres als die Natur. Der nackte Überlebenskampf ist das zentrale Prinzip der Natur. Es gibt die heile Welt nicht, weder in uns, noch um uns herum und auch in der unberührter Natur nicht“, sagt er in seinem Text.

Diese Tatsache, die ich nachvollziehen kann, führt mich zur Frage, ob es denn nicht genau aus diesem Grund logisch ist, dass wir die Erde vergöttern und mystifizieren wollen und uns an ihrer Schönheit laben? Denn wir sind doch auch angehalten, uns auf das Schöne und Gute zu konzentrieren, um mutig unseren Lebensweg zu beschreiten und nicht gar an den einzelnen Stolpersteinen zu scheitern. Dass wir sowohl Licht wie Dunkelheit in uns vereinen, das sollten wir nicht vereiteln. Laut chinesischer Medizin und Astrologie tragen wir auch alle Elemente in uns, die wir in der Natur vorfinden. Der Mensch trägt  ebenso eine wilde Seite in sich. Er lässt sich ungern zähmen, weil das nicht ganz seinem Naturell entspricht. Die Natur ist manchmal unberechenbar. Das ist mir klar. Doch macht es mich dankbar, wenn ich über Wiesen und durch Wälder streife und erkenne, dass die Natur mir Nahrung spendet. Ich frage mich, was denn so verkehrt daran sein soll, dass wir die Natur und unseren Planeten verehren und zu etwas Höherem erklären? Ist es denn gefährlich, die Erde als Urmutter zu verklären? Worin sieht Hugo Stamm die Gefahr dabei? Er meint weiter, dass nichts dagegen einzuwenden sei, dass wir die Natur auf ihren kitschigen Aspekt reduzieren, indem wir uns einzig optisch an ihr ergötzen. Der Grund dafür sei, um unsere religiösen Bedürfnisse zu befriedigen und Glückshormone zu produzieren. Dagegen sei nichts einzuwenden. Problematisch werde es erst, wenn wir die Natur spirituell verklären, weil wir damit einen Realitätsverlust erleiden und einem Aberglauben erliegen. Lässt sich das beweisen? Frage ich mich. Wer weiß denn, ob Gott nicht auch durch die Steine, Gräser und Blumen zu uns spricht? Ist Gott einzig in der Kirche zu finden? Geht es nicht primär um unsere Haltung, über welche die Religionen uns lehren wollen? Dankbarkeit, Wertschätzung und Verbundenheit? Religio heißt übersetzt „wieder anbinden“. Was ist also gefährlich dabei, die Natur zur Religion zu machen? Könnte das nicht auch sehr heilsam für das Leben auf unserem Planeten sein? „Der Naturmythos werde zum Religionsersatz oder zur Religion selbst“, sagt Hugo Stamm. Ich sehe da keine Gefahr. Für mich birgt die Natur viele Wunder, die mich staunen lassen und mir eine Ahnung von etwas Höherem schenken.

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