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Mit Naturheilkunde den Wechseljahren begegnen

Sobald der Hochsommer der weiblichen Seele langsam vorüberzieht und die Frau in die Vor-Wechseljahre eintritt, beginnt vieles leiser zu werden. Der Körper verändert sich. Die Hormone wandeln sich. Und manchmal gerät auch das bisherige Selbstbild etwas ins Wanken.

Viele Frauen erleben in dieser Zeit körperliche und emotionale Veränderungen wie Schlafprobleme, innere Unruhe, Stimmungsschwankungen, stärkere oder unregelmässige Blutungen, Erschöpfung oder Spannungsgefühle. Nicht zuletzt werden diese Unsicherheiten durch Medien, Schönheitsideale und den gesellschaftlichen Jugendkult verstärkt.

Dank KI und heutigen Möglichkeiten ästhetischer Eingriffe begegnen uns in Magazinen und Werbungen immer häufiger makellose, faltenfreie Gesichter – oft weit über das mittlere Alter hinaus. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass Altern möglichst unsichtbar bleiben sollte.


Doch gelingt ein anderer Blick?

Doch gelingt uns vielleicht auch ein anderer Blick auf diese Lebensphase? Könnten die Wechseljahre nicht nur Verlust bedeuten, sondern auch Wandel und Reifung? Es heisst ja schliesslich nicht Zerfallsjahre, sondern Wechseljahre.

Da ich selbst eine Frau bin und mehrheitlich Frauen in meine Praxis kommen, schreibe ich diesen Text bewusst aus weiblicher Perspektive. Und ich glaube: Wenn es uns Frauen gut geht, profitiert letztlich auch unser Umfeld davon.


Was im Körper geschieht

Vielleicht hilft es zunächst, die körperlichen Veränderungen etwas besser zu verstehen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Hormone Progesteron und Östrogen, deren Produktion sich mit der Zeit verändert. Häufig sinkt zuerst das Progesteron. Dieses Hormon steht unter anderem mit innerer Ruhe, Schlaf und dem weiblichen Zyklus in Zusammenhang und spielt auch für die Knochengesundheit eine Rolle.

Progesteron wird aus Cholesterin gebildet. Cholesterin hat oft einen schlechten Ruf, erfüllt im Körper jedoch wichtige Aufgaben – unter anderem für Zellwände und die Hormonbildung. Entscheidend ist dabei weniger das Verteufeln von Fetten, sondern vielmehr die Qualität der Ernährung und ein ausgewogenes Mass.

Wenn Progesteron abnimmt, entsteht zu Beginn der Wechseljahre oft eine sogenannte Östrogendominanz. Viele Frauen bemerken dies durch stärkere Monatsblutungen, Spannungsgefühle oder emotionale Schwankungen. Erst einige Jahre später sinkt meist auch der Östrogenspiegel, worauf die Blutungen zunehmend unregelmässig werden und schliesslich ganz ausbleiben.

Östrogen unterstützt unter anderem die Schleimhäute, die Haut und die Knochen. Viele Frauen erleben während dieser hormonellen Umstellung Symptome wie Schlafprobleme, trockene Schleimhäute, Stimmungsschwankungen oder Gelenkbeschwerden. Manche fühlen sich empfindsamer, erschöpfter oder emotional schneller aus dem Gleichgewicht gebracht.


Ganzheitliche Unterstützung

Das klingt zunächst vielleicht nicht besonders ermutigend. Doch mit etwas Verständnis für die eigenen Prozesse und einer liebevollen Begleitung lässt sich diese Zeit oft deutlich angenehmer erleben, als viele Frauen befürchten.

Wenn du dich in diesen Beschreibungen wiedererkennst, kann eine ganzheitliche Unterstützung sinnvoll sein.

In meiner Praxis arbeite ich gerne mit den Möglichkeiten der Naturheilkunde. Dabei geht es mir darum, Körper und Psyche sanft und nachhaltig zu unterstützen, ohne die Regulationsprozesse unnötig zu stören. Jede Frau bringt ihre eigene Konstitution, Geschichte und Symptomatik mit – deshalb stelle ich individuelle Rezepturen zusammen und arbeite unter anderem mit Urtinkturen, Spagyrik-Sprays, Tees, manuellen Therapien, Massagen sowie Ernährungsempfehlungen.

Auch die Ernährung spielt in dieser Lebensphase eine wichtige Rolle. Viele Pflanzen und Nahrungsmittel enthalten natürliche Stoffe, die den weiblichen Organismus unterstützend begleiten können. Zudem kann eine möglichst entzündungsarme Ernährung helfen, den Körper zu entlasten und das allgemeine Wohlbefinden positiv zu beeinflussen.


Die Wechseljahre als Einladung

Die Wechseljahre müssen kein Kampf gegen den eigenen Körper sein. Oft möchten sie uns vielmehr einladen, wieder mehr auf die eigene innere Stimme zu hören.

Mit dem Rückgang der weiblichen Hormone wird die Aussenwelt manchmal etwas leiser. Gleichzeitig beginnt die innere Stimme deutlicher hörbar zu werden. Der Körper verlangt mehr Ruhe. Pausen werden wichtiger. Und die Stille, die früher vielleicht unangenehm war, kann plötzlich etwas Heilsames in sich tragen.

Dann beginnt sich eine andere Frage zu zeigen:
Was tut mir wirklich gut?
Was nährt mich – unabhängig von Leistung, Funktionieren und Erwartungen?
Welche Talente möchten gelebt werden?
Welche Gefühle möchten angeschaut oder vielleicht endlich verwandelt werden?
Und welche inneren Räume warten noch darauf, entdeckt zu werden?

Vielleicht liegt genau darin auch ein Geschenk dieser Zeit. Die Aufmerksamkeit richtet sich weniger nach aussen und mehr nach innen. Viele Frauen entwickeln dadurch eine tiefere Verbindung zu sich selbst, zu ihren Bedürfnissen und zu ihrer eigenen Wahrheit.

Freude und innere Zufriedenheit wirken oft stärker als das krampfhafte Festhalten am Jungsein. Wenn die Augen durch seelische Reife und echte Verbundenheit mit sich selbst wieder zu leuchten beginnen, entsteht eine Form von Ausstrahlung, die nicht vom Alter abhängig ist.

Es braucht manchmal Mut, sich nicht vollständig den gesellschaftlichen Idealen zu unterwerfen. Doch daraus kann eine neue Freiheit entstehen – stiller vielleicht als früher, aber oft echter, tiefer und näher bei sich selbst.

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