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Mein Verständnis von Krankheit und die individuelle Rezeptur

Stress als Ursache vieler Krankheiten

«Ich fühle mich in meinem Körper nicht mehr wohl – gar heimatlos!» 
Solche Worte, die ich in meiner alltäglichen Praxis immer wieder von meinen Patienten höre, veranschaulichen, mit was viele Menschen in der heutigen, schnelllebigen und lauten Welt kämpfen. Stress, pausenlose Erreichbarkeit und die Herausforderungen der Umwelt können dazu führen, dass wir uns in unserem eigenen Körper entfremdet fühlen. Diese Entfremdung hat Auswirkungen sowohl auf unsere psychische als auch auf unsere physische Gesundheit. 


Der Druck nach permanenter Leistungsfähigkeit wird nicht kleiner, sondern wächst ständig. Dies erfordert einen ganzheitlichen Ansatz zur Gesundheitsversorgung, der Körper, Geist und Seele in Einklang bringt. 
So kann eine Person, nennen wir sie Wendy, tagsüber ständig bei der Arbeit unter Druck stehen, da sie ihre Arbeit fristgerecht abgegeben muss. Durch diese Anspannung findet sie abends nicht zur Ruhe und leidet unter Schlafproblemen. Dies wiederum führt zu schlechter Laune, was ihre zwischenmenschlichen Beziehungen beeinträchtigt. Es sollten Ansätze verfolgt werden, die ihr körperliches Befinden verbessern, wie z.B. regelmässige Bewegung und Entspannungstechniken. Für ihre geistige Verfassung ist eine Gesprächstherapie sinnvoll, und für die seelische Gesundheit sollten ihre Ressourcen gestärkt werden, um Freude zu generieren und soziale Verbundenheit zu fördern. 

Personalisierte Medizin

«Ich möchte nicht einfach die nächste Nummer sein!» 
Diese Worte spiegeln das Empfinden vieler Menschen wider, die sich in einem Gesundheitssystem wiederfinden, das oft anonym und unpersönlich wirkt. Jeder von uns ist mehr als nur eine Diagnose oder ein Patientendossier – wir sind einzigartige Individuen mit eigenen Geschichten und Herausforderungen. 
Hinter jeder Krankheit verbirgt sich eine persönliche Lebensgeschichte, die es wert ist, gehört und verstanden zu werden. In der Welt der Medizin und Heilkunde ist es entscheidend, den Menschen als Ganzes zu betrachten und nicht nur die Symptome zu behandeln. Paracelsus sagte einst:» Der Mensch erkrankt gemäss seiner Natur. Es gibt keine Krankheiten, nur erkrankte Menschen.» Dies verdeutlicht, dass es nicht nur darum geht, die Symptome zu lindern, sondern die Ursachen zu erforschen, die zu einem Ungleichgewicht in der Gesundheit geführt haben.

Einbezug von Körper-Geist-Seele

Es ist evident, dass der Körper nicht getrennt von der Psyche und dem Innenleben des Menschen betrachtet werden kann. Moderne Wissenschaft lehrt uns dies in der Psychoneuroimmunologie, die aufzeigt, wie eng die Psyche durch das Nerven- und Immunsystem beeinflusst wird – und umgekehrt. Wir sprechen nicht nur von Psychosomatik, wo die Psyche das körperliche Wohlbefinden beeinflusst, sondern auch von Somatopsychologie, wo körperliche Beschwerden die Psyche tangieren. 

Als Naturheilpraktikerin sehe ich die Verbindung dieser Dreiheit: Körper, Geist und Seele. Wie wir mit unserem Körper, unseren Gefühlen und Gedanken umgehen, bestimmt weitgehend unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Daher betrachte ich den Menschen als ein multikomplexes Wesen, das neben der Einheit von Körper, Geist und Seele auch über ein individuelles Temperament und eine komplexe Konstitution verfügt. 
Ein Patient sollte aus einer 360-Grad-Perspektive betrachtet werden, damit wichtige Elemente seines individuellen Wesens nicht übersehen werden und er immer wieder die Chance erhält, als Ganzes erfasst zu werden und nicht reduziert zu werden auf Charakter, Krankheiten oder Launen. 

In einer Welt, in der Gesundheit oft nur als das Fehlen von Krankheit betrachtet wird, ist es unerlässlich, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, der Körper, Geist und Seele in Einklang bringt. Indem wir den Menschen als komplexes Wesen verstehen und die individuellen Lebensgeschichten hinter den Krankheiten anerkennen, können wir nicht nur Symptome behandeln, sondern auch die wahren Ursachen von gesundheitlichen Problemen aufdecken. Letztendlich führt ein solcher integrativer Ansatz zu nachhaltigeren Ergebnissen und einem besseren Wohlbefinden – denn wahre Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit; sie ist das harmonische Zusammenspiel aller Aspekte unseres Seins.

Mein Vorgehen beim Erstellen eines Rezepts

Für meine Patienten nehme ich mir viel Zeit für Gespräche. Besonders das Anamnese-gespräch ist wegweisend für jedes weitere Vorgehen, da sich in der individuellen Lebens-geschichte oft die verlorenen Schätze für das Wiedererlangen der psychischen und körperlichen Gesundheit finden lassen. Ausserdem höre ich die «Melodie» des Menschen, der mir gegenübersitzt. Unter «Melodie» verstehe ich seine Art zu reden, zu gestikulieren, seine Mimik, Haltung, seine Schwerpunkte und seine Ängste. Auch seine Stärken und Schwächen werden sichtbar sowie das genetische und epigenetische Gepäck, das er mit sich trägt. 

Je nach Patientenwunsch setzten wir unterschiedliche Schwerpunkte. Nach unserem Gespräch wende ich verschiedene Diagnostikverfahren (Zunge, Rücken, Antlitz, Iris) und mache bei Bedarf auch klinische Untersuchungen. Zudem ziehe ich die Signaturlehre zu Rate, die nach Paracelsus einen massgeblichen Einfluss auf die Wesensgestaltung des Menschen hat. Bildlich übersetzt, berechne ich mithilfe eines Tools, ob ich es mit einem eher visuellen oder taktil ausgeprägten Menschen zu tun habe, wobei dies nur zwei von sieben unterschiedlichen Ausprägungen sind. 

Danach wende ich mich dem Körper zu und lass ihn sprechen. Er erzählt eine ganze Menge und durch die von mir häufig angewendeten manuellen Therapien verstehe ich mittlerweile seine Sprache sehr gut. 

Nachdem ich all diese Informationen erhalten habe, erarbeite ich ein individuelles Rezept, bestehend aus Tropfenmischungen mit Urtinkturen, potenzierten Heilmittel, Spagyrik oder Bachblüten. Dabei berücksichtige ich Temperament, konstitutionelle Merkmale, die die Eigenheit des Organismus bestimmen sowie aktuelle Symptome, chronische Krankheitsmerkmale. Die Remedia berücksichtigt also sowohl die konstitutionelle Ebene (Krankheitsneigung und Potenzial) wie auch die Symptomebene (akute und chronische Erkrankungen). Nicht zuletzt lasse ich mich von meiner guten Intuition beraten, die mir wertvolle Hinweise auch auf unausgesprochene Gegebenheiten liefert.

Ein Beispiel eines individuellen Therapieplans sieht folgendermassen aus:

  • Stressoren (innere, d.h. selbst erschaffene und äussere) erkennen im gemeinsamen Gespräch und durch Selbstbeobachtung.
  • Eigene Grenzen wahrnehmen (Nein, Ja, Verausgabung, Emotionen).
  • Entspannungstechniken fix einplanen (z.B. Meditation, Atemübungen, Yin Yoga, gemütliche Spaziergänge, warme Bäder).
  • Wöchentlich körperliche Bewegung für Muskulatur und Kreislauf und Sauerstoffversorgung und Ruhe für den Geist.
  • Täglich ein To do und ein «Geschenk an sich selbst» abhaken.
  • Esstagebuch führen.

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