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Schwangerschaft – der Kompass im Bauch

Die Geburt und das Muttersein beginnen nicht erst, wenn das Kind auf die Welt kommt. Sie starten schon sehr viel früher, sobald der Keim im Bauch der Schwangeren zu spriessen beginnt. Dadurch verändern sich die Hormone, die nebst dem körperlichen auch das psychische Befinden beeinflussen.

Oft erlebe ich, dass die Frauen in der Schwangerschaft viel mehr zu sich selbst in ihre Mitte finden. Dass auf eine natürliche Weise erkannt wird, was wirklich wichtig ist im Leben und die Selbstfürsorge an erster Stelle steht.

Natürlich ist das nicht immer einfach zu realisieren nebst Berufs- und Familienleben. Es fordert grosses Organisationsgeschick und Mut, für sich und seine Bedürfnisse einzustehen.

Dann tauchen Fragen auf wie:

Darf ich so müde sein? Ich hab doch so viele Stunden bereits im Bett verbracht?

Wieso reichen die Stunden in der Nacht nicht mehr, damit ich tagsüber ausreichend Energie habe, um den Alltag zu bewältigen?

Darf ich denn so faul und passiv sein?

Nicht allen schwangeren Frauen ergeht es so. Manche erleben auch einen Zuwachs an Energie und kriegen das Gefühl, als könnten sie plötzlich Bäume ausreissen.

Den inneren Takt zu spüren, den Kompass, der im Bauch wohnt und die Regie übernimmt, ist oft entscheidend für eine gute Schwangerschaft. Auch die Geburt kann von gesunden Rhythmen während der Schwangerschaft profitieren.

Aus Sicht der Homöopathie und der Naturheilkunde, die individuelles Erleben in ihrer ganzheitlichen Betrachtung berücksichtigen, sind diese Veränderungen Ausdruck einer grossen Anpassungsleistung des Organismus. Mithilfe ihrer Ausrichtung schärfen beide das Bewusstsein der schwangeren Frau für ihre eigenen, innewohnenden Rhythmen.

Im ersten Drittel der Schwangerschaft dreht sich alles um das Wachstum des Fötus. Der Körper investiert viele seiner Kräfte, um das neue Leben im Körper entstehen zu lassen. Er wird quasi zur inneren Mutter der Schwangeren und hegt und pflegt die junge Menschenpflanze. Optimale Voraussetzungen sind ausreichend Ruhephasen. Dann schreitet das Wachstum gut voran und so erklärt sich auch das oftmals ungewöhnlich hohe Schlafbedürfnis.

Rückzug, Ruhe und Regeneration sind die wirklich wichtigen Elemente, die im Alltag manchmal zu kurz kommen und jetzt essenziell werden.

Übelkeit, die als leidige Begleiterscheinung in der Schwangerschaft oftmals auftritt, kann ein ungutes Bauchgefühl auslösen. Vegetative Veränderungen können das Unwohlsein begünstigen, fachkundig ausgewählte Heilkräuter und angepasste Ernährung das Symptom lindern. 

Nebst den körperlichen Veränderungen geschieht im Inneren der werdenden Mutter allmählich eine neue Ausrichtung. Gefühle und Gedanken, auf die Zukunft gerichtet, können nebst Vorfreude und Liebe auch Unruhe und Zweifel in der Seelenlandschaft auslösen. Vertrauen und Ängste können sich immer wieder neu einstellen.

Hier ist eine liebevolle Begleitung sehr wertvoll. Eine Hebamme oder Therapeutin des Vertrauens, ein unterstützender und verständnisvoller Partner oder Freunde, die zuhören können, geben ein gutes und tragendes Fundament.

Nähe, Gespräche und körperliche Berührungen unterstützen die psychische Grundverfassung in dieser besonderen Zeit. Das Kuschel- und Wohlfühlhormon Oxytocin wird u.a. bei manuellen Therapien wie Schwangerschaftsmassagen gebildet. Oxytocin fördert Entspannung, Geborgenheit und Sicherheit. In Hingabe und Stille kann die zarte Beziehung zwischen werdender Mutter und heranwachsendem Kind sich entfalten. 

Der Kompass, der vom Bauch aus gesteuert wird, zeigt oftmals in die richtige Richtung, wenn er dann angehört und verstanden wird. Ein harter Bauch kann in der Schwangerschaft ganz normal sein oder ein Hinweis darauf sein, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Die Schwangerschaft ist eine Zeit, in der eine Frau nicht nur ein Kind erwartet. Sie begegnet sich selbst auf eine neue Weise.

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